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Trailrunning Karwendel | 2 Tage, 56km und x Höhenmeter

Dieser Blogpost enthält unbezahlte Werbung durch die Nennung von Marken, Orten, Links etc.

2 Tage Trailrunning im Karwendel mit Hüttenübernachtung. Dieses Erlebnis steht schon lange auf meinem Plan. Und jetzt hat es endlich geklappt. Ich war im Naturpark Karwendel unterwegs. Wie toll die Trailrunning Tour war und wie ich alles vorbereitet habe, erfährst du hier… 🙂

Wohin soll der Trailrun gehen? | Die Suche

Ich hab mir zuerst den Adlerweg angeschaut. Ein Weitwanderweg mit 33 Etappen durch ganz Tirol. Der Wegverlauf sieht aus wie die Silhouette eines schwebendes Adlers, mit weit ausgebreiteten Schwingen. Irgendwie gefällt mir das Bild und als ich letztes Jahr im Karwendel unterwegs war, habe ich tatsächlich einen riesigen Steinadler gesehen. Damit war klar: es geht in den Naturpark Karwendel. Meine Bedingungen: der Trailrun sollte 50-60km lang sein, eine feine Hütte sollte etwa auf der Hälfte des Weges liegen und es sollte ein Rundweg sein. So kam ich auf die Lamsenjochhütte. Eine Hütte, die ich bereits von einer anderen Tour kannte und die seit kurzen eine der 5 Mountain Bases der Munich Mountain Girls ist, deren Mitglied ich bin. Wenn du unsere Berg Community für Frauen noch nicht kennst, schau auf jeden Fall mal vorbei.

Die schöne Lamsenjochhütte unterhalb der Lamsenspitze

Wie laufe ich durchs Karwendel? | Die Streckenplanung

Ich plane meine Strecken gerne mit runmap. Es geht super leicht, schnell und die Strecken lassen sich als KLM & GPX Datei exportieren. Die GPX Datei lade ich auf meine Garmin Forerunner 245 Music  und habe so die Strecke immer am Handgelenk. Die KLM Datei lade ich zur Sicherheit in die maps.me App, falls Wege gesperrt sind und ich vor Ort umdisponieren muss. Die App bietet kostenlose offline Karten an, die gerade im Karwendel wichtig sind, den Internet und Telefonnetz sind nur wenig verfügbar.

Los geht der Trailrun | Die Strecken

Meine erste Etappe mit 23,4km und 1690hm geht am Wanderparkplatz Nr.4 kurz hinter der Mautstation (4,50€) im Risstal los. Hier findest du meine Route zur Etappe 1. An einem schönen Herbsttag lohnt sich ab Kilometer 6 die Schleife über den kleinen Ahornboden – plus 2km. Kurz vor Kilometer 11 kommst du an der Falkenhütte vorbei. Wichtig: Die Hütte wird bis Anfang 2020 saniert und ist aktuell geschlossen. Über die Eng geht es wieder hinauf in die Berge, bist du dein Tagesziel die Lamsenjochhütte auf 1953m erreichst. 

Etappen 1 und 2 mit Lamsenjochhütte

Meine zweite Etappe mit 32km und 1222hm geht an der Lamsenjochhütte los, über Gramai, Richtung Pertisau zur Plumsjochhütte. Dieser Anstieg ist etwas zäh aber allein die gemütliche kleine Hütte ist den Aufstieg wert. Weiter über Kesserboden und hinunter ins Risstall zurück zum P4. Hier findest du meine Route zur Etappe 2. Falls dir 32km zu lang hast du zweimal die Möglichkeit abzukürzen: 1. ab der Plumsjochhütte zur Haglhütte (24,5km) oder 2. bei KM 20,5 zur Haglhütte (26,5km). Die Haglhütte ist ein Einstiegspunkt des Bergsteigerbuses der am P4 am Johannestal hält.

Wenn du jetzt sagt „32km, da geht noch was…“ gibt es auch eine Verlängerung. Diese hat es allerdings ordentlich in sich und du solltest wirklich trittsicher (seilgesicherte Stelle) und nicht nur körperlich, sondern auch mental fit und schwindelfrei sein!!! Anstatt nach dem Kesserboden talabwärts zu laufen, siehts du vor dir drei Gipfel: Grasberg (2020m), Hölzelstaljoch (2012m) und Fleischbank (2028m) die du besteigen kannst. Mit dieser Option verlängerst du deine Strecke auf insgesamt 37km und fügst knapp 500hm hinzu. 

Ohne Auto zum Trailrunning | Der Bergsteigerbus

Wenn du kein Auto hast oder einfach naturverträglicher unterwegs sein möchtest, kommst du mit Bus und Bahn ganz einfach ins Risstal und bis in die Eng. Ab München mit dem Zug nach Lenggries und dann weiter mit dem Bergsteigerbus. Hier findest du alle umweltfreundlichen Infos die du brauchst.

Was nehme ich mit? | Der Trailrunning Rucksack

Ganz klar: weniger ist mehr! Aber es gibt so einiges auf das du auf keinen Fall verzichten solltest. Der versierte Trailrunner langt sich jetzt an den Kopf, aber ja, ohne gescheite Trailrunning Schuhe geht das Ganze nicht. Trailrunning Stöcke je nach deinem Laufstil. Ich hab sie gerne dabei, da ich bei steilen Bergab Passagen oft mit den Knien zu kämpfen habe. Desweiteren, eine GPS Uhr mit den Strecken. Meine Garmin Forerunner 245 Music  hat ein Unfallwarnsystem was mir zusätzlich Sicherheit verschafft. Auch ein Erste Hilfe Set darf nicht fehlen. Ich bin oft alleine unterwegs und meines ist umfangreich: Rettungsdecke, Kompressen 10×10, Verbände, Dreieckstuch, Wundpflaster und Blasenpflaster, Quetschpäckchen Kühlgel, Zinksalbe, Desinfektions Pads

Zusätzlich habe ich für meine Bedürfnisse noch:
Tages Kontaktlinsen, Kinesio Tape, Fenistil (Bremsen und Co. lieben mich)

Wenn du dir nicht sicher bist ob du im Hellen ankommst, nimm eine Stirnlampe mit -> Batterien checken. Ein Knicklicht wiegt nicht viel, kann aber gut dabei helfen dich zu finden. Nimm genügend zu trinken mit. Du kannst zwar auf den Hütten deine Flasks auffüllen aber auf Etappe 2 gibt es nach den Plumshütte keine weitere Möglichkeit. 

Ich hatte die tolle Wetterkombination von Tag 1 mit kühlem Nebel und Regen; Tag 2 mit Sonne und Hitze. Deswegen habe ich für beide Wetterszenarios Equipment mitgenommen.
Szenario Kälte: Regenjacke, Handschuhe, isolierendes Longsleeve, Kopfbedeckung
Szenario Hitze: Sonnencreme, Sonnenbrille, mehr Getränk (Iso), Salztabletten, Kopfbedeckung

Für unterwegs:
Marschverpflegung nach deiner Wahl. Ich habe selbstgemachte Müsliriegel mitgenommen, das Rezept findest du hier. Desweiteren Carbgels und Dextro Energen. Tipp: die hausgemachten Kuchen auf der Plumsjochhütte sind ein Traum #käsekuchenforever

Für die Hütte:
-> nicht vergessen den Schlafplatz rechtzeitig reservieren. Hüttenschlafsack (Seide ist leichter, ich mag Baumwolle lieber), Ohrstöpsel (lebensnotwendig!!!), Alpenvereins Ausweis, Bargeld (weder EC, Credit noch ApplePay), Magnesiumtablette, Mini Mikrofaser Handtuch, Aufladekabel für Telefon etc.

Mein Beautycase fällt sehr klein aus:
Miniseife, Deo, Zahnbürste, Zahncreme, Creme, Kontaklinsen, Lippenpflege.

Bekleidung:
Wenig bis weniger. Das was ich an Tag 1 trage, trage ich auch Tag 2. Ich habe mir dafür den Luxus gegönnt einen dünnen Merino Longjohn mitzunehmen und ein Tanktop für die Nacht. Hüttenschuhe gibt es auf der Hütte. Tipp: 1x Schnürsenkel. Wem sie einmal gerissen sind, weiß von welchem Ärger ich rede. 

Wie wird gepackt? | Der Trailrunning Rucksack

Hier gilt das Gleich wie beim Wandern. Schwere Dinge nah am Körper und so weit unten wie möglich. Die leichten Sachen darüber. Alles was man schnell zur Hand braucht vorne. Ziplocks sind mein bester Freund um z.B. Kleidung und Kabel vor Feuchtigkeit zu schützen. Mini Ziplocks um z.B. Isopulver in kleiner Menge abzufüllen. Hochwertige Ziplocks haben auch den Vorteil das sie den Inhalt komprimieren wenn du beim zuzippen die Luft hinauspresst.

Es kann losgehen | Etappe 1

Trailrunning im Karwendel mit Hüttenübernachtung -> Let’s get started. Nach einer langen (100km ab München) aber wunderschönen Fahrt am Sylvensteinspeicher vorbei und durch das Risstal bin ich endlich am Wanderparkplatz Nr.4 angekommen. Der Wanderparkplatz liegt direkt am Eingang des Johannistal. Von hier starten zahlreiche Wanderungen und auch mein Trailrun. Ich bin noch keinen Kilometer gelaufen und schon zeigt sich das Tal von seiner schönsten Seite.

Diese Farbe. Unfassbar hell türkis…

Immer entlang am Johannisbach geht der Weg. Mal über eine Forststrasse, mal über Singlestrails direkt an der Abbruchkante oder durch den Wald. Auch wenn die Strecke auf meiner Uhr mitläuft ist der Weg zur Falkenhütte so gut ausgeschildert das man sie nicht verfehlen kann. Am Wegesrand finden sich Himbeeren, Brombeeren und die leckersten Walderbeeren der Welt.

Happiness mit Beeren.

Ich sehe schon von der Entfernung wie der Nebel dichter wird und ich bin mir sicher das ich spätestens bei der Falkenhütte mitten drin stecke. Ok, der Nebel kam schon wesentlich früher. Ab der Ladies Alpe ist nicht mehr viel zu sehen. Hier treffe ich auch die einzige Wanderin auf dem Weg zur Eng. Eigentlich dachte ich das das Geröll unter meinen Schuhen und mein dezentes Gejapse mich angekündigt haben. Leider NEIN. Mein fröhliches „Servus“ wird mit einem erschrockenen spitzen Schrei beantwortet. Ich habe die Dame fast in den Tot erschreckt… Weia, denke ich mir, das fängt ja gut an… 🙂 Dumpf durch den Nebel klingen die Kuhglocken. Sehr mystisch.

Statt Gorillas gibt hier Kühe im Nebel

An der Falkenhütte (Kilometer 10,5) angekommen muss ich dank der Baustelle erstmal durch den Matsch. Dann habe ich die Wahl zwischen schlammiger Forststrasse und Trail. Ich entscheide mit für den Trail, nur um mich nach 5 Minuten umzuentscheiden und querfeldein zur Forststrasse zurück zu stampfen. Richtig dumme Idee. Das findet auch die Gams die ich aufgescheucht habe. Noch dümmer ist, das ich durch die Aktion die Orientierung verloren habe und an der nächsten Abzweigung voller Überzeugung vorbei laufe. Zum Glück schreit meine Uhr das ich vom Weg abgewichen bin. Trotzdem traue ich mir mehr als der Uhr, weil kann ja nicht sein das ich falsch bin und laufe noch ein paar Meter in die falsche Richtung. Dann hab ichs auch gecheckt und finde den Weg wieder. Nun beginnt das schönste Stück bis zur Eng. Für 2km laufe ich durch ein Geröllfeld mit sehr gut zu bewältigen Trails.

Da letzte Stück bis zur Eng bei Kilometer 17 zieht sich gewaltig, weil eine Kuh nach der nächsten inklusive Kälbern den Weg versperren. Und wie wir wissen, komme keinem Kalb zu Nahe, seine Mum wird es schützen und dich eventuell angreifen. Jedes Jahr gibt es Tote weil Touristen die kleinen Kälbchen antatschen müssen. Also wieder Umwege auf dem matschigen Hang. In der Eng angekommen ist man auf einmal wieder in der Zivilisation. Der große Ahornboden mit der Eng Alm ist ein Touristen Magnet. Zu recht. Trotzdem befremdlich wieder so viele Menschen zu sehen und zu hören. Ich mach kurz Pause und mampfe Müsliriegel.

Der Jacuzzi muss 2,5hrs vorher bestellt werden.

Weiter geht’s auf einem waldigen Trail Richtung Bins-Alm. Und was sehe ich da: ein Jacuzzi. Unfassbar. Gerade jetzt da der Nebel auf mich runterrieselt und es frischer wird komme ich an einem Jacuzzi vorbei. Das werde ich mir merken. Auch den Spruch „Ob zu zweit oder zu acht – heißes Wasser und kaltes Bier“. Das Reimen kann man noch etwas üben, oder…?

Der rieselnde Nebel hat sich zu handfesten Regen entwickelt und es wird Zeit die Regenjacke herauszuholen. Jetzt wäre ich dann so langsam froh wenn die Lamsenjochhütte bald kommt. Zum Glück ist das Fall und ich freue mich nach kurzem CheckIn mein schmales Reich im Bettenladen beziehen zu können. Nach häuslichem Einrichten, Katzenwäsche und dem Aufhängen nasser Klamotten wie Schuhe im Trockenraum geht es runter in den Gastraum.

Der beste Moment wenn die Lamsenjochhütte im Nebel auftaucht…

Ob ich Halbpension nehme? Ich versteh die Frage nicht, hihi… Es gibt heiße Gemüsebrühe mit Backerbsen, Spaghetti mit Zucchini Bolognese und Vanille Eis mit Heidelbeer-Kompott. 1a Carbloading. Dazu ein alkoholfreies Radler. Alpenvereins Mitglieder besitzen das Recht auf Teewasser für 3,00 €/Liter und da ich mir Teebeutel von einem Gute Nacht Tee mitgenommen habe nehme ich den Schlummertrunk mit ins Bett. Um 21:44 liege ich im Lager. Um 21:45 sitzen die Ohrstöpsel und um 21:46 schlafe ich schon tief und fest ein.

Es geht weiter | Etappe 2

Guten Morgääähn… Hab ich gut geschlafen, hmmm… Ja, die Ohrenstöpsel haben gehalten. Nicht auszudenken wenn ich die vergessen würde. Eine Nacht im 14er Bettenlager kann ganz schön unruhig werden. Kennst du das auch…? Mein Wecker ging schon um 6:30 und das Erste was ich gesehen habe war ein warmer Schein ins Zimmer.

Blick aus dem Bettenlager in Richtung Vomp

Ich bin direkt raus aus dem Bett und habe draußen die Stille genossen, wenigstens für ein paar Minuten, denn in Hütten bist du gegen 7 Uhr schon spät dran. Um mich für den Tag und die 32km die vor mir lagen zu wappnen bin ich direkt zum Frühstück marschiert. Birchermüsli ist ziemlich super vor einem Trailrun oder generell vor sportlichen Betätigungen. Heutzutage gibt es einen fancygeren Begriff: Over Night Oats. Im Endeffekt ist es dasselbe. Die Haferflocken konnten schon über Nacht quellen, in Milch oder Wasser, werden am Morgen mit Yoghurt verrührt und sind so weich und bekömmlich. Dazu noch Obst, Saaten und Nüsse für gesunde Fette und Kohlenhydrate. So quilt nichts mehr im Magen und sorgt für Beschwerden beim Laufen. Trotzdem hatte ich noch Lust auf Brot und es gab eine Käseschnitte mit Erdbeer Marmelade und Kaffee mit Milch.

Durch ein Meer aus Wolken hinab ins Tal zur Gramai Alm

Der Weg ins Tal war steinig und technisch. Schnell ging es definitiv nicht hinunter. Einmal bin ich ordentlich gerutscht und auf den Bobbes (hessisch für Po) geknallt. Das gibt einen schönen blauen Flecken… Unten angekommen ging es dafür umso schneller weiter. In einer entspannten 6er Pace gings es weiter zur Gramai Alm, wo schon eine neugierige und hübsche Bergbewohnerin scheinbar auf mich gewartet hat.

Ist sie nicht hübsch?

Hier war dann erstmal Schluß mit dem Gerenne und ich habe noch einmal ausführlich die Karte des Adlerweges studiert. Auf der Tafel wird die Form des Adlers der die Etappen wiederspiegelt klar. Es gibt noch so viele Wege die ich noch laufen möchte. Die nächsten werden wohl die Etappen 02 – Hintersteiner See zur Gauseamushütte mit Schlenker zu Gruttenhütte am Wilden Kaiser, die ich wahrscheinlich Mitte September laufen werde und die Etappen O1/O2 zur Johannishütte im Ost Tirol sein.

Entlang des Falzthurnbachs ging es weiter durchs Tal. Während links die Forststraße hochführt bin ich rechts des Baches auf waldigen und wiesigen Trails gelaufen, bis ich auf ein Stück Asphaltstraße kam. Zum Glück blieb es des einzige Stück Asphalt auf der gesamten Strecke. Kurz bevor ich wieder auf die Trails abgebogen bin, musste ich noch über ein Weidegitter. Mit Blick auf die Berge die vor mir lagen bin ich so vor mich hin gelaufen bis mir schlagartig etwas auffiel: Die Rillen eines Weidengitters sind so groß, wenn ich als Vorfußläufer gedankenverloren mit der Fußspitze da rein trete ist der Fuß ab. Eigentlich klar, oder..? Aber viele Unfälle geschehen in Situationen die normalerweise klar sind, gerade weil sie so banal sind, das man ihnen kein Aufmerksamkeit mehr schenkt. Ich höre förmlich mein Fußgelenk knacken wenn ich mir das Bild ansehen… Ahhh…

Fußfalle Weidegitter

Nachdem die 3km bergab und die 13km durch die Täler schnell vergangen sind, ging es nun wieder steiler bergauf. Genau genommen lagen 450hm auf 3km vor mir. Auf halber Strecke zur Plumsjochhütte habe ich die Marathonmarke passiert, wenn ich die Distanzen von Etappe 1 und 2 zusammen zähle. Ein kleiner Moment des High Five Myself… 🙂 Ich muss zugeben, diese recht kurze Strecke war das anstrengenste Teilstück der gesamten Tour. Die Sonne hat ordentlich runter geknallt, so gut wie kein Schatten gab es auf dem Weg und die Energie aus dem Frühstück war auch schon verbrannt. Zeit für ein schnelles Carb Gel zwischendurch.

Auf der Plumsjochhütte angekommen habe ich erstmal meine Flasks aufgefüllt. Vielen Dank an die liebe Wirtin für den Spezialpreis für meine 1,5L Hollerschorle. Ich hab mich dann draußen gemütlich hingehockt und bin schnell ins Gespräch mit diversen Gästen gekommen. Nachdem das erste Entsetzen zweier älterer Männer abgeklungen war, das ich als Frau allein, ich wiederhole ALLEIN zwei Tage in den Bergen unterwegs bin, wurde mir ein Hauch von Respekt entgegen gebracht. Aber nur ein Hauch, denn dann wurden alle nervigen Klischee Fragen gestellt. Hast du keine Angst als Frau? Was ist wenn dir als Frau was passiert? Das ist aber eine lange Strecke für ne Frau, allein.

Vor ein paar Jahren wurde hier eine Frau an einen Baum gebunden und ausgeraubt. Sie musste da mehrere Stunden warten bis Rettung kam.

Alter Mann auf der Plumsjochhütte

Und was soll mir das jetzt sagen..? Das ich ein potentielles Opfer bin..? Das ich als Frau besser nicht allein in den Bergen unterwegs sein sollte…? Öhm, nööö. Also wenn ich irgendwo keine Angst habe, dann in den Bergen. Und wenn ich mich bei etwas gut einschätzen kann, dann bei sportlichen Aktivitäten in den Bergen. Die beiden Herren sind zum Glück bald gegangen und sobald sie außer Hörweite waren, haben sich die anderen Gäste für die Alten entschuldigt. Dann wurde es noch richtig lustig und ich habe fast eine Stunde auf der Alm verbracht. In der Zeit kam der Hunger zurück und ich habe meine selbstgemachten Müsliriegel gemampft. Hmmm, die waren so gut.

Probiere unbedingt die hausgemachten Kuchen, die Gäste um mich herum haben geschwärmt

Mein weiterer Weg führte mich erst unterhalb des Satteljochs (1935m) und dann des Kompar (2011m) entlang. Der erste Teil war immer wieder felsig und hielt einige mini Kraxel-Stellen bereit. Aber alles halb so wild, die einzige Herausforderung waren die Kühe, die auf den teils sehr schmalen Single Trails standen und an denen kaum ein Vorbeikommen möglich war. Ich bin dann wieder einmal außen rum geklettert…

Hinter des Kompar hatte ich dann die höchste Stelle des Tages auf 1903m erreicht und es ging sanft zwischen den Latschen bergab über wiesige Trails. Das war schön weich zu laufen. Auf dem Weg zum Kesserboden tat sich ein wunderbarer Blick ins Tal auf. Der gesamte Bogen des Risstals von der Eng bis nach Hinterriß auf der einen Seite und zum Schafreuter auf der anderen Seite lag vor mir. Auch die 3 Gipfel der langen Alternativ Route -> siehe oben: Routenplanung.

Eine kleine Alm am Kesserboden und die pfeifenden Murmeltiere (leider zu schnell für meine Fotokünste) markierten das letzte Teilstück meiner Etappe. Die letzten 600 hm bergab führten größtenteils durch durch Wälder. Ich muss sagen nach dem vielen Sonnenstunden in der Höhe haben die schattigen Wälder wirklich gut getan. Auch wenn ich mich morgens gut eingecremt hatte, merkte ich schon das meine Haut ziemlich spannt.

Im Tal angekommen war es angenehm „kühl“. Der gletscherblaue Rißbach fließt magisch schön durchs Tal. So waren die letzen 3km keine schleppende Teilstrecke, sondern ein wunderschönes Stück Natur bis hin zum Parkplatz Nr. 4 Johannistal und damit zum Ende meiner Trailrunning Tour

Ich glaube man sieht mir trotz der Anstrengung an, was für ein schönes Erlebnis diese 2 Tage für mich waren und wie sehr ich das Laufen im Karwendel genossen habe. Ich war defintiv nicht das lezte mal hier.

Schön das du bis zum Ende meines doch recht langen Berichtes gelesen hast. Ich hoffe ich konnte dir die Schönheit der Tour und des Naturparks Karwendel vermitteln und würde mich freuen wenn ich dich eine wenig inspirieren konnte auch mal so eine Tour zu starten.

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