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Berliner Höhenweg in 2 Tagen

Der Beitrag „Berliner Höhenweg in 2 Tagen“ enthält unbezahlte Werbung.

WOW, was für ein Wahnsinns Trail: 91 km mit 7000 hm und das alles in zwei Tagen. Mit Spannung habe ich Lena, Shari und Marian auf dem Berliner Höhenweg per Social Media begleitet. Beim Gucken der IG Stories wurde ich immer neugieriger und wollte mehr wissen. Dann dachte ich mir, es gibt bestimmt noch mehr Trailrunner/innen die der Berliner Höhenweg interessiert und die beiden nicht bei unseren adidas Runners Treffen löchern können. Also habe ich Lena und Shari gefragt, ob sie einen Erlebnisbericht schreiben wollen. Die Antwort war zum Glück ein JA. Und hier ist er. Viel Spaß beim Lesen.

Text von Lena Haushofer und Shari Wilken.

Das Abenteuer beginnt

Der Berliner Höhenweg. Seit zwei Jahren stand dieser Höhenweg auf Shari´s Trail-Bucket-List. Aber, wie immer, fehlte bislang die Zeit und auch die nötige Kenntnis, wie man so was überhaupt plant, vorbereitet und dann auch umsetzt. Bis die Idee entstand, als Alternative zum ausgefallenen Stubai Ultratrail, den Stubaier Höhenweg Anfang Juli in zwei Tagen zu laufen. Das war schnell geplant, wir hatten zwei Autos vor Ort und ein Appartement. Voll im Höhenweg-Fieber war schnell klar: der Berliner Höhenweg ist der nächste! Also fix geschaut, wann wir Zeit haben, wo man ihn am besten in zwei Etappen unterteilen kann und es eine Hütte gibt, bei der ein Hüttenschlafsack ausreicht. Und dann muss „nur“ noch das Wetter mitspielen…

Ach ja, das sind wir:

Lena Haushofer:
„Ich bin ein geborenes Münchner Kindl und wäre am liebsten schon in jungen Jahren jeden Morgen mit Blick auf die Berge aufgewacht. Mittlerweile fasziniert mich nicht nur der Anblick, sondern auch die flowigen und technischen Trails, das abwechslungsreiche Gelände und der grandiose Ausblick vom Gipfel, den man sich nach den Höhenmetern mehr als verdient hat. Einfach schee!“ Lena auf IG

Shari Wilken:
Ihr findet mich meist auf irgendwelchen Trail-Abenteuern in den Bergen. Möglichst hochalpin, dazu noch laufbares Gelände, ein bissl Kraxelei und nur von Massiv umgeben. Und am liebsten zum Sonnenaufgang. Wenn es danach noch eine Hollerschorle und Kaiserschmarrn gibt, bin ich im Trail-Himmel. Shari auf IG

t/sdcard/DCIM/100GOPRO/GOPR0063

Vorbereitung ist alles

So ein Trailrun muss gut geplant werden. Die genaue Route mit allen Details, wo wird übernachtet (siehe weiter unten im Artikel), was nehmen wir mit und vor allem was essen wir? Hier die ersten Infos:

Packliste:

  • Kleidung: Wechselshirt, Handschuhe, lange Tight, langes Oberteil, Regenjacke, Schlüppi, Socken, Schuhe
  • Hygiene: Zahnbürste, Zahnpasta, SonnencremeTaschentücher, Labello, Bürste, Waschzeug, Wechselshirt
  • Technik: Ladekabel, Powerbank
  • Hütten Ausstattung: Ausweis, 50€ Bargeld, Maske, Handtuch, Hüttenschlafsack
  • Sonstiges: Sonnenbrille, Mütze, Cap
  • Erste Hilfe Set
  • Stöcke

Verpflegung: Natürlich habe wir auch einiges an Essen mitgenommen.

  • Banana Bread-Muffins mit Nutella/Peanut Butter gefüllt
  • Clifbloks (meist im Uphill genommen für schnelle Energie), Power Cakes
  • Orthomol sport perform im Wasser und viiiel Wasser aus den herabstürzenden Bächen

Etappe 1 | Mayrhofen – Alpenrosenhütte (48 km, 4000 hm)

Es ist 04:15 Uhr in der Früh. Wir stehen auf einem Parkplatz in Mayrhofen am Auto und machen noch ein Startselfie, bevor wir die Strecke auf unseren Uhren starten. 48km mit 4000Hm durch das Zillertal stehen uns bevor. So ganz glauben können wir nicht, dass wir das jetzt wirklich machen. Aber einmal die Laufuhr gestartet, laufen wir los. Und fallen fast vorne über wegen des schweren Rucksacks. Denn da musste einiges rein: Hütten Equipment, Hygiene, Klamotten, Erste-Hilfe-Set, technisches Equipment und eine ganze Menge Essen!

Wie immer haben wir uns vorher die Hütten rausgeschrieben und welche Distanz und Höhenmeter dazwischenliegen. Für den Kopf ist es besser sich die Etappen in einzelne Abschnitte einzuteilen und immer die nächste Hütte als Zwischenziel zu haben. Also laufen wir zunächst flach durch das dunkle Mayrhofen und warten auf den ersten Uphill. Der Uphill, der uns in die Zillertaler Alpen bringt und bei dem wir vom wunderschönen Sonnenaufgang begleitet werden. Nach einer kleinen Banana Bread-Pause an der ersten Hütte staunen wir nicht schlecht, als auf dem Wegweiser zur nächsten Hütte 10 Stunden bis zur nächsten Hütten veranschlagt werden! Aus Erfahrung wissen wir, dass wir die Zeit meist halbieren können. Trotzdem schlucken wir gewaltig, damit haben wir nicht unbedingt gerechnet. Denn das technische Gelände haben wir nicht so ganz in unsere Zeitplanung eingerechnet…

Also heißt´s weiterlaufen und unser ganz großes Ziel dieser Etappe rückt immer näher: die Olperer Hütte. Unsere Gespräche drehen sich Großteils darum, wie wir auf der Brücke vor der Hütte, dem Instaspot schlechthin, posieren. Bis wir von Wanderern hören, dass man bereits 30min vor der Brücke wartet, um ein Foto zu bekommen. Also schnell nochmal auf einem Stein vorm Schlegeisspeicher posieren, bevor wir uns anstellen. Als wir um die Ecke laufen und die Brücke erblicken, sind wir doch etwas mehr verdutzt: die Schlange für ein Foto ist auf der anderen Seite! Das bedeutet für uns, wir müssen über den Fluss springen, um uns in entgegen unserer Laufrichtung 45 Minuten anzustellen.
Und da stehen wir. Vor der ca. 10m. langen Brücke. Nur für dieses eine Bild. Zum Glück haben wir den besten Insta-Husband dabei, der uns nur grummelig anschaut und sich eine gute Fotoposition sucht, als er checkt, dass wir dieses Foto auf jeden Fall haben wollen. Wir sind doch nicht schon 30km gelaufen, um darauf zu verzichten!

Unser Pro-Tipp: versuche nicht auf der Brücke zu laufen – sie ist unglaublich wackelig und man bekommt keinen tollen Laufschritt hin.

Shari und Lena
Schönbichler Horn

Danach wird es unheimlich zach. Es wird immer wärmer und wir wissen, dass wir nun auf den höchsten Punkt des gesamten Höhenweges gehen. Rauf auf das Schönbichler Horn auf 3134m. Bis heute weiß ich nicht so recht, wie wir dort hochgekommen sind. Es war so unfassbar hart, so technisch und am Ende gab es noch seilversicherte Kletterstellen – als 1-Gipfeltour ein Traum!

Oben angekommen brauchen wir einen Moment, bis wir realisieren, dass wir es geschafft haben. Und wir die Hütte anrufen müssen, um unsere Verspätung anzumelden. Denn, was wir da hochgekrochen waren, mussten wir ja auch wieder runter. Umso größer ist der Jubelschrei als wir unsere Hütte, die Alpenrosenhütte, erblicken! Dort angekommen, gibt es wirklich sofort unser, vorab gebuchtes, 3-Gänge-Menü. Nach einer warmen Dusche sind wir dann auch fix und völlig fertig in unseren einzelnen Zimmer in die Betten geschlüpft und wissen noch nicht so recht, wie wir die zweite Etappe am nächsten Tag überleben sollen…

Etappe 2 | Alpenrosenhütte – Mayrhofen (43 km, 3000 hm)

Die Alpenrosenhütte war jeden Cent wert – Wir haben uns den Luxus eines Einzel- und Doppelzimmers gegönnt um wirklich Energie für die zweite Etappe tanken zu können. Keine Schnarcher, nur das Rauschen des Zemmbaches hat uns daran erinnert, dass wir uns bereits auf 1.878 Metern in den Zillertaler Alpen befinden. Die aufgehende Sonne strahlt die Gipfel der umliegenden Berge an und wir starten nach einem ausgiebigen Frühstück und jeder Menge Kaffee um 06:30 Uhr in den zweiten Teil des Berliner Höhenweges mit 43 km und 3.000 hm.  Im Vergleich zu gestern hören sich die Daten erstmal „harmlos“ an, aber aus Erfahrung vom Stubaier Höhenweg wissen wir, dass sich vorallem die letzten Höhenmeter bis zum höchsten Punkt vor dem Downhill und die Kilometer bis zum Parkplatz unendlich lange ziehen können. 

Das erste Zwischenziel erreichen wir schon nach wenigen Höhenmetern, unweit der Alpenrosenhütte auf 2.042 m – die Berliner Hütte, welche die älteste und bekannteste Schutzhütte der Zillertaler Alpen ist. Bei ihrer Einweihung 1879 befand sich die Hütte noch dicht am Rande der Gletscherzungen von Hornkees und Waxeggkees, die damals hier zusammentrafen. Mehrere Dreitausendergipfel liegen in der Umgebung und – auf einer Höhe von 2.472 m der Schwarzsee am Berliner Höhenweg, der uns weiter zur Greizer Hütte führt.

Davor setzen wir nach 6 km und knapp 1.000 Hm aber noch einen Haken hinter den höchsten Punkt der zweiten Etappe. Die nördliche Mörchenscharte auf 2.872 m begegnet uns glücklicherweise schon zu Beginn der Tour, sodass wir zumindest gedanklich mit dem gröbsten Part an Höhenmetern abschließen können. Soweit sind wir auch alle sehr gut unterwegs, können das Energielevel halten und kommen trotz den Kilometern des vorherigen Tages in den Beinen super voran und genießen die Morgenstunden auf dem Höhenweg.  Der Weg zur Greizer Hütte führt uns über Schneefelder, verblocktem Gelände und Brücken über kleine Wasserfälle und Bäche. Die Hütte liegt wunderschön und die ersten Gäste genießen die Tasse Kaffee auf der Terrasse und schauen den Ziegen beim grasen auf der Wiese zu. Käffchen gab es bei uns nicht, dafür aber Power-Cakes, Banana-Bread und ein paar Cliff Bloks.

Der zweite Anstieg auf die Lapenscharte auf ca. 2.700 m bei km 14 kostet uns sehr viel Kraft, da es sich wieder um seilversicherte und steile Passagen handelt, die große, kraftvolle Schritte verlangen. Außerdem sind die Temperaturen mittlerweile sehr gestiegen und wir laufen größtenteils in der prallen Sonne. Wir halten an jedem Bach und füllen unsere Flasks auf, um möglichst viel Wasser zu trinken. Sich gegenseitig ans Trinken zu erinnern, hilft ungemein. Vorallem wenn es noch nicht heiß genug ist, um selbst auf die Idee zu kommen. 😊

Die Kasseler Hütte erreichen wir nach ca. 22 km wohlwissend, dass wir noch einen Halbmarathon vor uns haben. Kurze Pausen an den Hütten helfen, um die Energiespeicher wieder mit Essen aufzufüllen und sich mental auf die nächste Etappe und das bevorstehende Zwischenziel einzustellen. Wir essen im Übrigen auch, wenn wir in diesem Moment nicht unbedingt Hunger haben. Aber aufgrund dessen, was unser Körper über diese Zeit leisten muss, sind ausreichend Kohlenhydrate wichtig um einen Energieeinbruch vorzubeugen.  

Als letztes und wohl am meisten herbeigesehntes Zwischenziel steht die Karl-von-Edel-Hütte auf unserer Liste. Der Weg dorthin führt wieder über sehr verblocktes Gelände und es fällt uns teilweise schwer, den effizientesten Weg durch das Meer aus Steinen zu finden. Man muss hier wirklich achtgeben, nicht zwischen den Steinen hängen zu bleiben. Diese Etappe hat auch sehr schöne, lange, aber auch technisch anspruchsvolle Downhill-Trails zu bieten, die teils über Schotterfelder aber auch Wiesen den Berg hinab führen. Zwischendurch sind immer wieder seilversicherte Passagen, unter Anderem auch mit Leitern zu finden. Für Kraxl-Liebhaber/innen ein Paradies 😊

Der Blick ins Tal du auf die umliegenden Wasserfälle lassen hier nochmal das Bergherz höherschlagen. Die letzten Kilometer/ Höhenmeter zur Hütte ziehen sich aber unglaublich in die Länge und wir sehnen uns nach einer kurzen Pause mit kühler Cola und einer salzigen Breze an der Hütte, bevor es dann 1.600 hm im Abstieg zum Ziel nach Mayrhofen geht. Die Karl-von-Edel-Hütte lässt sehr lange auf sich warten und erscheint dann nach ca. 36 km endlich hinter dem Berg, an dem wir auf der anderen Seite entlanggelaufen sind. Nach einem kurzen seilversicherten Abstieg und einigen Kehren kommen wir an der Hütte an. Jetzt nochmal die letzte Kraft zusammen nehmen und volle Konzentration auf den Downhill über Kies- und Waldwege. Beine und Kopf haben in den letzten Stunden einiges geleistet und sind sicherlich nicht mehr die Fittesten nach den absolvierten Kilometern und Höhenmetern. Trotzdem fliegen wir den letzten Trail ins Tal hinunter und haben zeitweise sogar noch richtig Freude an den flowigen Trails, die uns der Berliner Höhenweg zum Schluss beschert. Vom weichen Waldboden, auf den Asphalt der Straße, in das Zentrum von Mayrhofen. Und nach 43 km und 3.000 Hm stoppen wir die Uhr, schauen uns Lächelnd und völlig überwältigt in die Augen und wissen, wir haben wieder einen Traum verwirklicht und werden den nächsten Höhenweg sicherlich bald in Angriff nehmen.

Fazit

Der Berliner Höhenweg ist unglaublich hart. Solch ein technisches Gelände ist uns bis dahin nicht untergekommen und er hat uns alle an unsere Grenzen gebracht. Landschaftlich kommt er definitiv nicht an den Stubaier Höhenweg (so unfassbar schön!) ran. Die Gegend um die Olperer Hütte ist völlig touristisch und macht kaum Spaß, was wirklich schade ist. Daher ist der Berliner Höhenweg auch nicht unser Favorit und wir würden ihn auch nicht wieder laufen. Aber wir haben da auch schon von einigen anderen tollen Höhenwegen gelesen…  

Informationen auf einem Blick

Touren Steckbrief:

  • Start: um 02:00 Uhr in München
  • Ziel: Parkplatz Mayrhofen, Einfahrt Mitte 422 – Ein Parkticket vorab buchen kannst du hier.
  • Etappe 1: Mayrhofen bis Alpenrosenhütte | 48km | 4000Hm | verstrichene Zeit: 14 Stunden | Laufzeit: 10,5 Stunden
  • Etappe 2: Alpenrosenhütte – Mayrhofen | 43km | 3000Hm | verstrichene Zeit: 13 Stunden | Laufzeit: 10,5 Stunden
  • Streckenplanung: über Outdooractive in zwei Etappen geteilt und als GPX-Datei auf die Uhr gezogen -> der Weg ist zudem unheimlich gut ausgeschildert 
  • Schwierigkeitsgrad: sehr schwierig! Der Berliner Höhenweg ist unglaublich technisch, es gibt viele seilversicherte Scharten und verblocktes Gelände

Übernachtung
Unsere absolute Empfehlung ist die Alpenrosenhütte im Zemmgrund. Sie ist keine DAV-Hütte, daher reicht ein Hüttenschlafsack aus. Wir haben mit Halbpension gebucht, es gibt warme Duschen sowie Doppel- und Einzelzimmer.

Weitere Tipps für Höhenwege

Es gibt einiges zu beachten, wenn du einen längere Höhenweg Bestreitung planst.

  1. Folge dem Höhenweg den du Laufen willst auf Facebook (sofern es ihn dort gibt). Dort gibt es meist regelmäßig Updates der Strecken und es wird auf Gefahrenzonen hingewiesen.
  2. Checke das Wetter im Voraus über den DAV.
  3. Suche dir den jeweiligen Höhenweg im Internet raus, schaue dir die Etappen an und teile sie gut ein. Lese dir sehr genau die Beschreibung der einzelnen Etappen durch – es gibt einige schwarze Routen, die wirklich technisch sind und dementsprechend lange dauern
  4. Schreibt Euch heraus: Wie viele Höhenmeter und Kilometer pro Etappe. Nach wie vielen KM und Höhenmeter (positive wie negative!) kommt die nächste Hütte. Auf welcher Höhe liegen die jeweiligen Hütten auf dem Weg.
  1. Buche die Hütten im Voraus und schaut nach den Corona-Bedingungen auf der Internetseite der Hütten – die DAV-Hütten verlangen richtige Schlafsäcke (Hüttenschlafsäcke reichen nicht aus!)
  2. Nehme mehr Essen mit als du glaubst zu brauchen und esse, bevor du Hunger bekommt. Denn Mann mit dem Hammer braucht niemand auf einem Höhenweg begegnen.
  3. Cremt euch wirklich gut mit Sonnencreme ein. Auch unter Wolken kannst du im Hochsommer Sonnenbrand bekommen.

Wir hoffe wir konnten Euch einen Einblick in unsere Erlebnisse geben. Wenn ihr weiterer Fragen habt, schreibt uns gerne über Social Media an.

Alles Liebe von
Lena und Shari

Folgt Lena, Shari und dem Instagram Husband aka Marian auf Instagram:
LENA: @lena_trail.run.passion
SHARI: @shari.runs
MARIAN: @marian.runs

Noch ein Tipp

2 Tage Trailrunning Tour im Karwendel
Eine sanftere 2-Tages-Tour mit 55 km und 2900 hm könnt ihr im Karwendel laufen: ab Josefstal – Falkenhütte – Eng – Lamsenjochhütte – Gramai – Plumsjochhütte – Kesserboden – Riss Tal. Hier gehts zum Bericht.

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