Der Beitrag »Yoga & Trailrunning: 7 Gründe, warum Yoga dein Trailtraining verbessertt« enthält keine Werbung.
Yoga und Trailrunning wirken auf den ersten Blick wie zwei völlig unterschiedliche Welten. Hier dynamische Intervalle, dort ruhige Bewegungen auf der Matte. Ich dachte lange genauso. Außerdem halten sich hartnäckig Vorurteile: Yoga sei nur etwas für besonders flexible Menschen oder passe nicht zu einem sportlichen Lifestyle. Zum Glück stimmt das nicht.
Gerade für Läuferinnen – und besonders für Trailrunnerinnen – kann Yoga eine wertvolle Ergänzung sein. Die beiden Disziplinen gleichen sich aus und unterstützen einander. Yoga kann dir dabei helfen, beweglicher zu werden, deine Stabilität zu verbessern und bewusster auf deinen Körper zu hören. Gleichzeitig profitierst du beim Laufen von mehr Kraft, einer besseren Haltung und einer schnelleren Regeneration.
Warum Yoga und Trailrunning so gut zusammenpassen
Mehr Beweglichkeit für entspannteres Laufen
Regelmäßiges Yoga kann dabei helfen, verspannte Muskeln zu lockern und deine Beweglichkeit zu verbessern. Gerade nach intensiven Laufeinheiten oder langen Trailruns fühlen sich Waden, Hüftbeuger und die hintere Beinmuskulatur oft verkürzt an. Yoga schafft hier einen Ausgleich und kann dazu beitragen, Überlastungen vorzubeugen.
Eine starke Körpermitte für mehr Stabilität
Eine gut trainierte Rumpfmuskulatur ist beim Laufen Gold wert. Sie unterstützt eine aufrechte Haltung und sorgt dafür, dass du auch auf langen Distanzen effizient unterwegs bist. Viele Yoga-Asanas kräftigen genau diese Muskelgruppen und helfen dir dabei, stabiler und ökonomischer zu laufen.


Besseres Körpergefühl und mehr Balance
Yoga schult die Körperwahrnehmung. Du lernst, die Signale deines Körpers bewusster wahrzunehmen und Bewegungen kontrollierter auszuführen. Davon profitierst du besonders auf technischen Trails, wo Balance und Trittsicherheit gefragt sind.
Regeneration unterstützen und Verletzungen vorbeugen
Laufen bedeutet Belastung – Erholung ist deshalb genauso wichtig wie das Training selbst. Yoga kann dir helfen, Verspannungen zu lösen, die Durchblutung anzuregen und muskuläre Dysbalancen auszugleichen. Das unterstützt die Regeneration und kann das Risiko für typische Laufverletzungen reduzieren.
Ausdauer und Atmung verbessern
Bewusstes Atmen spielt sowohl im Yoga als auch beim Laufen eine wichtige Rolle. Atemübungen aus dem Yoga können dir dabei helfen, ruhiger und effizienter zu atmen – ein Vorteil, der sich besonders bei langen Anstiegen oder intensiven Belastungen bemerkbar macht.
Mentale Stärke aufbauen
Jede Läuferin und jeder Läufer kennt diese Momente: schwere Beine, schlechtes Wetter oder die Frage, warum man sich das eigentlich antut. Yoga kann dabei helfen, den Fokus zu schärfen und gelassener mit Herausforderungen umzugehen. Diese mentale Stärke begleitet dich nicht nur beim Training, sondern oft auch im Alltag.
Gemeinschaft
Yoga-Retreats für Läufer*innen verbinden Bewegung, Natur und Austausch mit Gleichgesinnten. Sie bieten die Möglichkeit, neue Impulse für das eigene Training zu sammeln und sich bewusst Zeit für sich selbst zu nehmen. Ich liebe die Yoga Retreats von Ocean Flow Yoga mit Barbara.
Ein einfacher Yoga-Flow für Läufer*innen
Dieser Yoga-Flow wurde von Yogalehrerin Sarah von Derschatta speziell mit Blick auf die Bedürfnisse von Läufer*innen und zusammengestellt. Die sieben Asanas fördern Beweglichkeit, Stabilität und Körperwahrnehmung – Eigenschaften, die dich auch auf den Trails unterstützen können.


1. Stuhl (Utkatsana) im Wechsel mit gehobener Zehe
Der Stuhl kräftigt nahezu den gesamten Körper und spricht viele Muskelgruppen an, die für Trailrunner*innen besonders wichtig sind. Waden, Oberschenkel und Gesäßmuskulatur arbeiten intensiv zusammen und unterstützen dich dabei, Stöße besser abzufedern, kraftvoll bergaufzulaufen und effizient vom Boden abzudrücken. Gleichzeitig stärkt die Haltung die Rücken- und Rumpfmuskulatur, was sich positiv auf deine Laufökonomie und eine stabile Haltung auf langen Distanzen auswirken kann.
Worauf solltest du achten?
- Knie parallel zueinander halten (z. B. auch unterstützt durch einen Block) oder die Beine eng zusammen
- Mit dem Gesäß tiefsetzen – wie auf einen Stuhl –, je tiefer, desto herausfordernder
- Bauch aktiv, dafür am besten Bauchnabel Richtung Wirbelsäule ziehen
- Rücken gerade durch eine leichte Kippung des Beckens nach hinten und das Ziehen der Schulterblätter nach unten
- Kinn leicht heranziehen, damit auch der Nacken gerade bleibt
- Arme gestreckt, ohne die Schultern Richtung Ohren zu ziehen
- Optional: Fersen heben für noch mehr Muskelaktivität in den Beinen

2. Stehende Vorwärtsbeuge (Uttanasana)
Die Vorwärtsbeuge dehnt die gesamte Körperrückseite – ein Bereich, der bei vielen Läufer*innen durch die hohe Belastung oft verkürzt ist. Besonders Waden und die hintere Oberschenkelmuskulatur profitieren von dieser Asana. Mehr Beweglichkeit in diesen Muskelgruppen kann dazu beitragen, dein Laufgefühl zu verbessern und Verspannungen vorzubeugen.
Worauf solltest du achten?
- Während der Vorbeuge den Rücken gerade halten, die Beine leicht gebeugt – die Bewegung kommt aus der Kippung des Beckens
- Beine nur durchstrecken, wenn die Hände flach am Boden oder auf Blöcken liegen – ansonsten Knie gerne auch leicht gebeugt lassen, um den unteren Rücken zu schützen
- Mit den Händen in den Boden oder gegen Blöcke schieben
- Füße stehen parallel, hüftbreit, Fersen und Waden schieben leicht nach außen, sodass die Beine aktiv sind
- Kopf in der Haltung entspannt hängen lassen und Schultern sowie Nacken entspannen


3. Ausfallschritt (Anjaneyasana)
Diese Haltung öffnet die Hüften und dehnt gleichzeitig die Rückseite der Beine. Gerade der Hüftbeuger neigt bei Läufer*innen dazu, zu verkürzen, was sich unter anderem auf die Schrittlänge auswirken kann. Ein regelmäßiges Mobilisieren dieses Bereichs unterstützt eine flüssige Laufbewegung und kann dabei helfen, Verspannungen entgegenzuwirken.
Worauf solltest du achten?
- Hände flach am Boden
- Vorderes Knie über dem Fußgelenk
- Hinteres Bein gut durchgestreckt, Ferse schiebt nach hinten weg und die Kniescheibe zieht nach oben, um die Oberschenkelmuskulatur zu aktivieren
- Blick geht nach unten auf der Matte, sodass der Nacken gerade bleibt
4. Runner’s Stretch (Ardha Hanumanasana)
Der Runner’s Stretch kombiniert Dehnung und Aktivierung in einer Übung. Waden, Gesäß, Hüftbeuger und die hintere Oberschenkelmuskulatur werden gleichermaßen angesprochen – alles Muskelgruppen, die beim Trailrunning stark beansprucht werden. Besonders nach intensiven Einheiten kann diese Asana dabei helfen, die Beinrückseite zu entlasten und die Regeneration zu unterstützen.
Worauf solltest du achten?
- Ausgestrecktes und aktives vorderes Bein, die Zehen sind geflext und ziehen zusammen mit der Ferse zu dir ran
- Becken möglichst gerade halten, Hüfte auf der Seite des gestreckten Beins dafür leicht nach hinten ziehen
- Gerader Rücken und Nacken, Brustkorb führt die Bewegung und das Kinn zieht leicht rein
- Hände unterhalb der Schultern, am besten erhöht auf Blöcken
- Optional: Übung kann auch dynamisch ausgeführt werden im Wechsel mit dem Low
- Lunge – dafür das vordere Bein mit der Einatmung beugen, sodass das Knie max. oberhalb des Knöchels steht (siehe Video)


5. Herabschauender Hund (Adho Mukha Svanasana)
Der herabschauende Hund ist ein echter Klassiker, der sowohl kräftigt als auch dehnt. Während Waden, hintere Oberschenkel und Gesäßmuskulatur sanft mobilisiert werden, arbeiten Rücken, Schultern und Arme aktiv mit. Gerade auf anspruchsvollen Trails, auf denen Stabilität und Körperspannung gefragt sind, kann diese Kombination aus Kraft und Beweglichkeit von Vorteil sein.
Worauf solltest du achten?
- Hände breit aufgefächert und schulterbreit aufgestellt – vor allem der Zeigefingerballen schiebt in die Matte
- Gerader Rücken, das Gesäß schiebt Richtung Decke und Hände in den Boden
- Entspannter Kopf, Schultern und Nacken in einer Linie mit der Wirbelsäule – Blick geht nach unten Richtung Füße, Schultern ziehen weg von den Ohren
- Beine können gestreckt werden und Fersen sich dabei Richtung Boden senken (müssen diesen aber nicht berühren), aber nur, wenn der Rücken dabei gerade bleiben kann – sonst lieber die Beine gebeugt lassen und die Fersen gehoben wie auf dem Foto)
- Bauch schiebt dann Richtung Oberschenkel, um den geraden Rücken zu unterstützen
- Arme nicht überstrecken, sondern ggf. auch leicht beugen (vor allem bei Hyperflexibilität in den Ellbogen), damit die Muskulatur in den Armen aktiv bleibt
6. Planke (Phalakasana)
Eine starke Körpermitte ist die Grundlage für eine effiziente Lauftechnik. Die Planke kräftigt insbesondere die Bauch-, Rücken- sowie Schulter- und Armmuskulatur. Das unterstützt eine aufrechte Haltung, verbessert die Stabilität im Unterkörper und kann dazu beitragen, auch bei Ermüdung ökonomisch zu laufen. Vor allem bei kurzen, intensiven Belastungen wie Sprints spielt eine stabile Rumpfmuskulatur eine wichtige Rolle.
Worauf solltest du achten?
- Schultern oberhalb der Handgelenke im 90-Grad-Winkel
- Rücken in Verlängerung der Beine als eine gerade Linie – Po hängt nicht durch oder steht zu weit oben
- Gestreckte Beine, Fersen schieben nach hinten
- Starke Mitte, Bauchnabel zieht Richtung Wirbelsäule für mehr Stabilität
- Blick geht vor dir auf die Matte für einen langen Nacken


7. Seitstütz (Vasisthasana)
Der Seitstütz stärkt die gesamte Körperseite – von den Beinen über die Gesäß- und Bauchmuskulatur bis hin zu Schultern und Armen. Besonders die Gesäßmuskulatur trägt zu einer besseren Laufökonomie bei und unterstützt die Stabilität des Beckens. Gleichzeitig werden die hinteren Oberschenkel aktiviert, die für Vortrieb und Laufgeschwindigkeit eine wichtige Rolle spielen. Eine starke seitliche Stabilität kann sich vor allem auf technisch anspruchsvollen Trails auszahlen.
Worauf solltest du achten?
- Schulter oberhalb des Handgelenks und aktive Armmuskeln – Ellbogen nicht überstrecken
- Starke Mitte – mit dem Gesäß nicht nach unten durchhängen
- Füße über- oder voreinander, übereinander erfordert mehr Kraft und Balance
- Oberer Arm als Verlängerung des unteren Arms
- Blick kann nach oben gehen, wenn sich das im Nacken gut anfühlt
Hier kannst du dir Flow anschauen und gleich mit Sarahs Anleitung üben.
Viel Spaß.
Fazit: Los geht’s, werde Yogi*ni
Yoga und Trailrunning ergänzen sich erstaunlich gut. Während dich das Laufen körperlich und mental fordert, schafft Yoga einen Ausgleich: mehr Beweglichkeit, mehr Stabilität und mehr Achtsamkeit für deinen Körper. Du musst weder besonders flexibel sein noch täglich eine Stunde auf der Matte verbringen. Schon wenige Minuten Yoga vor oder nach dem Lauf können einen Unterschied machen.
Vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, es einfach auszuprobieren. Deine Beine – und dein Kopf – werden es dir danken.



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